
Ein Österreicher saß offenbar im selben Flugzeug wie ein Hantavirus-Infizierter. Gesundheitsministerium erweitert Meldepflicht auf Verdachtsfälle.
Angesichts des aktuellen Ausbruchs von Mensch zu Mensch übertragener Hantavirus-Infektionen auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik hat das Gesundheitsministerium die bestehende Meldepflicht vorsorglich erweitert. Seit dem 9. Mai 2026 müssen neben Hantavirus-Erkrankungen und Todesfällen auch Verdachtsfälle von Mensch zu Mensch übertragbaren Hantavirus-Infektionen gemeldet werden.
Es befanden sich keine Österreicher an Bord des Schiffes, derzeit gibt es keinen Hantavirus-Fall in Österreich. Dennoch führt jetzt eine Virus-Spur in unsere Alpenrepublik!
Niedrigrisiko-Kontaktperson
Außerhalb des Schiffes wurden zwar Kontaktpersonen identifiziert, die teilweise Symptome entwickelten, aber bisher negativ getestet wurden. Es wurde auch eine Person in Österreich ermittelt, die sich “räumlich entfernt” an Bord eines Flugzeugs gemeinsam mit einem bestätigten Fall befand. Das gab das Gesundheitsministerium Mittwochnachmittag bekannt.
“Diese Person wurde entsprechend den nationalen und internationalen Empfehlungen als Niedrigrisiko-Kontaktperson eingestuft und über die entsprechenden österreichischen Empfehlungen durch die Gesundheitsbehörde informiert”, teilt das Gesundheitsministerium mit. Entsprechend dem aktuellen Wissensstand ist eine tatsächliche Ansteckung der Kontaktperson äußerst unwahrscheinlich, die Person zeigt bislang auch keine Symptomatik.
Grundsätzlich gilt: Verdachts- und Erkrankungsfälle an von Mensch zu Mensch übertragenem Hantavirus sind unverzüglich an die örtlich zuständige Bezirksverwaltungsbehörde zu melden. “Nur dadurch kann die rasche Erfassung von Kontaktpersonen und die rechtzeitige Einleitung von Maßnahmen gewährleistet werden, sodass die Krankheit und eine Weiterverbreitung des Erregers verhindert werden können.”
Ärzte und Gesundheitspersonal sollen im Umgang mit Patienten persönliche Schutzausrüstung wie Handschuhe, Schutzkittel, Augenschutz und Atemschutzmasken tragen, sowie konsequent auf Händehygiene achten, mahnt das Ministerium.
Hintergrund
Der Ausbruch auf der “MV Hondius” begann Anfang April 2026 auf einer Expeditionskreuzfahrt von Argentinien Richtung Afrika. Erst Wochen später wurde klar, dass sich an Bord die gefährlichste bekannte Form des Hantavirus ausgebreitet hatte – die sogenannte Andes-Variante. Diese ist besonders heikel, weil sie im Gegensatz zu anderen Hantaviren auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Als mutmaßlicher “Patient Null” gilt der 70-jährige Niederländer Leo S. Der begeisterte Vogelbeobachter soll sich kurz vor Reisebeginn auf einer Müllhalde nahe Ushuaia in Argentinien infiziert haben. Dort dürfte er mit Kot infizierter Nagetiere in Kontakt gekommen sein. Wenige Tage nach dem Ablegen entwickelte er Fieber, Husten und Durchfall. Am 11. April starb er. Seine Ehefrau infizierte sich ebenfalls und verstarb später auf St. Helena. Insgesamt wurden bisher elf Fälle registriert, drei Menschen starben, zwei weitere gelten als kritisch krank.
Nachdem der Hanta-Ausbruch Anfang Mai bestätigt worden war, durfte die “MV Hondius” nicht mehr in Kap Verde anlegen. WHO- und ECDC-Experten gingen an Bord und organisierten die Evakuierung nach Teneriffa. Insgesamt 122 Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen ausgeflogen und mussten in ihren Heimatländern in Quarantäne.
Gefahr für Bevölkerung “sehr gering”
Besonders aufmerksam verfolgen die Behörden nun mögliche Folgefälle. So wurde etwa in Italien ein Mann mit Symptomen isoliert, der zuvor neben einer später verstorbenen Niederländerin im Flugzeug gesessen war. Wegen der langen Inkubationszeit von bis zu acht Wochen schließen WHO und ECDC laut “Newsflix” weitere Fälle unter ehemaligen Passagieren nicht aus.
Trotz der hohen Sterblichkeit der Andes-Variante – sie liegt laut Experten bei bis zu 40 Prozent – geben WHO und Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC= für die Allgemeinheit vorsichtig Entwarnung. Beide Organisationen betonen übereinstimmend, dass die Gefahr für die Bevölkerung “sehr gering” sei. Der Grund: Das Virus ist deutlich schwerer übertragbar als etwa Corona. Während ein Covid-Infizierter im Schnitt mehrere weitere Personen ansteckte, liege die sogenannte Basisreproduktionszahl beim Hantavirus laut WHO “praktisch bei null”.
Auch ECDC verweist darauf, dass die Andes-Variante “nicht leicht übertragbar” sei. Größere Ausbrüche oder gar eine Pandemie gelten deshalb als äußerst unwahrscheinlich – vorausgesetzt, Quarantäne- und Schutzmaßnahmen werden konsequent eingehalten.