Nach dem tödlichen Wohnungsbrand in Erfurt herrschen immer noch Trauer und Schockstarre – aber gleichzeitig werden auch ganz andere Töne laut.
Ein Betroffener schildert gegenüber Thüringen24, wie er die dramatischen Minuten erlebt hat – und wie es ihm und seiner Familie inzwischen geht.
Erfurt: Mann stirbt
Giacomo Misch wohnt seit fast zehn Jahren mit seiner Freundin, den beiden Kindern und einem Hund in der Spittelgartenstraße in Erfurt. Hat gewohnt. Denn: Eine Nacht sollte ihr bisheriges Leben zunichte machen. Ihnen und allen anderen Bewohnern des Mehrfamilienhauses. In der Nacht auf Samstag (22. März) brach im Erdgeschoss ein Brand aus, der ein Leben kostete – und viele andere komplett auf links drehte. Laut Giacomo handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen Freund des eigentlichen Mieters, der zu dem Zeitpunkt in der Wohnung war. Er konnte nur noch tot geborgen werden.
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Giacomo schildert gegenüber Thüringen24 die fatale Nacht: „Ich saß am Computer. Meine Freundin hat fernsehen geguckt und dann gesagt, dass es verbrannt riecht. Irgendwie nach Rauch.“ Zunächst hätten sich die beiden nicht viel dabei gedacht. „Aber dann wurde der Rauch immer intensiver. Als ich aus dem Fenster geguckt hab, hab ich gesehen, dass aus einer Wohnung schräg unter uns dunkler Rauch rauskommt.“ Dann sei er zusammen mit Freundin, Kindern und Hund schnell nach draußen gelaufen. „Da stand eine Nachbarin von gegenüber, die hatte schon die Feuerwehr und die Polizei gerufen.“
In diesen Flammen starb ein Mann. Foto: privat
Noch bevor die Einsatzkräfte da gewesen seien, habe er zusammen mit anderen Nachbarn versucht, die Tür der Brandwohnung einzutreten – aber ohne Erfolg. Auch die Polizei habe das nicht geschafft und deswegen ein Fenster zerstört, um in die Flammen-Wohnung zu kommen. Durch die Luft habe das Feuer aber leider noch mal richtig losgelegt, sagt Giacomo. Die Polizei habe das gesamte Mehrfamilienhaus geräumt. Alle mussten raus. Schlimm habe es zunächst um den Mann gestanden, der ganz oben wohnte. Er habe besonders viel Rauch eingeatmet – die Rettungskräfte hätten ihn mehrmals reanimieren müssen. Aber offenbar mit Erfolg: „Dem geht es wieder gut. Der ist über den Berg, aber noch zur Beobachtung im Krankenhaus.“
Giacomo und seine Familie haben nur sich selbst und das Nötigste gerettet – um nicht zu sagen nur ihre Handys. „Das ging auf einen Schlag so schnell, wo man noch Luft gekriegt hat, das kann man sich gar nicht vorstellen. Vieles hätte vermieden werden können.“ Gefühlt habe die Feuerwehr zu lange gebraucht, um den Brand endlich zu löschen – aber das könne er als Laie auch gar nicht so einschätzen.
Er und sein Familie sei jetzt erstmal bei anderen Familienangehörigen oder Freunden untergekommen. Wie es weitergeht? Keine Ahnung. Aber der Vermieter habe tatsächlich Ersatzwohnungen klarmachen können – nur ein paar Meter weiter. Ob das da so alles klappt? Fraglich. Zumal die so nette Hausgemeinschaft jetzt weg sei, sagt Giacomo. Dennoch sei er natürlich froh, ein Dach überm Kopf zu haben. Aktuell im Hotel Mama.
Es ist wohl alles weg
In seine Wohnung habe er bisher nicht wiederkehren dürfen. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“, wie es immer so heißt. Aber der erste Blick ins Innere habe nichts Gutes erahnen lassen: Feuer, Rauch und Wasser… Womöglich ist alles zerstört. „Der Vermieter und die Feuerwehr haben gesagt, dass, selbst wenn wir kurz reindürfen, einfach alles Schrott ist.“ Eine ganze Existenz zerstört. Laut dem Vermieter ist das Haus ab sofort unbewohnbar.
Und laut Giacomo waren die anderen Mieter auch nicht gegen einen Brand versichert. Daher sammelt er jetzt Spenden – für alle Betroffenen. „Wir teilen die Summe nachher ganz fair durch sechs“, sagt er. Er wolle sich nicht bereichern, sondern vor allem seinen Nachbarn helfen. „Deswegen hab ich ja den Spendenaufruf gemacht für die anderen Mieter. Damit die wenigstens ein bisschen was haben.“