Himalaja: Bergsteiger wurden wohl absichtlich mit schlechtem Essen krank gemacht© Elia Saikaly/ AP/dpa
Nepals Behörden wollen härter gegen mutmaßlichen Versicherungsbetrug rund um Bergrettungen im Himalaja vorgehen. Betrügerische Praktiken würden konsequent untersucht und verfolgt, sagte ein Sprecher des Tourismusministeriums der Nachrichtenagentur AFP.
Laut Polizei haben mehrere Trekkingveranstalter in den vergangenen Jahren mit Evakuierungseinsätzen illegal Versicherungsgelder kassiert. In einem Fall sind 32 Verdächtige wegen mutmaßlichen Betrugs in Höhe von umgerechnet rund 17 Millionen Euro angeklagt. Laut den Ermittlern sollen Rettungsflüge aus abgelegenen Gebieten teils mehrfach abgerechnet worden sein – Flugunternehmen hätten so für denselben, eigentlich unnötigen Einsatz mehrfach Geld erhalten.
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In das Netzwerk, so steht es in einem über 1000 Seiten langen Ermittlungsbericht, sollen Tourenveranstalter und Krankenhauspersonal verwickelt gewesen sein. Teilweise seien Bergsteiger wegen kleiner Blessuren oder angeblicher Schwächeerscheinungen von Bergführern gedrängt worden, sich ausfliegen zu lassen. Zudem sollen nach Angaben der Polizei Bergsteiger in einigen Fällen mit ungenießbarem Essen absichtlich krank gemacht worden sein, um anschließend einen Hubschrauberflug abrechnen zu können.
Das Tourismusministerium kündigte eine »Null-Toleranz-Politik« an. Dazu gehöre, Namen von Betrügern öffentlich zu machen und Fälle zu verfolgen. Eine Arbeitsgruppe aus Polizei, Tourismusbehörden und Flugaufsicht solle künftig regelmäßig kontrollieren. Trekkinganbieter und Bergführer dürften zudem nur mit Lizenz arbeiten und seit diesem Jahr müssten sämtliche Flüge zum Mount Everest angemeldet werden.
Bereits 2018 waren bei einer Untersuchung 15 Unternehmen identifiziert worden, die an Betrügereien mit Bergrettungseinsätzen beteiligt gewesen sein sollen. Damals sollen Everest-Alpinisten angeblich Abführmittel ins Essen beigemischt worden sein, um auf diese Weise eine Hubschrauberbergung auszulösen. Konsequenzen habe es damals jedoch nicht gegeben, sodass sie weiter im Geschäft geblieben seien.
In Nepal liegen acht der zehn höchsten Berge der Welt, darunter der Mount Everest. Jedes Jahr ziehen die Gipfel Tausende Bergsteigerinnen und Bergsteiger an; viele sind auf schwer zugänglichen Hochgebirgsrouten unterwegs, Rettungsaktionen sind dort schwierig und teuer.
Am Mount Everest wollen die Behörden das Problem mit der Umweltverschmutzung in den Griff bekommen. Welche Benimmregeln für Alpinisten am höchsten Berg der Erde jetzt gelten, lesen Sie hier.