Dubiose Nebengeschäfte im ORF – jetzt kommt alles raus

Das ORF Zentrum am Küniglberg.

Das ORF Zentrum am Küniglberg.© APA-Images / Karl Schöndorfer (Archivbild)

ORF-Stiftungsrat: Nebengeschäfte und Verflechtungen sorgen nach neuen Vorwürfen für Diskussionen. Politik hält sich aktuell zurück.

Der ORF-Stiftungsrat steht erneut im Rampenlicht. Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann infolge von Belästigungsvorwürfen geraten laut “Kronen Zeitung” nun die Tätigkeiten mehrerer Mitglieder abseits ihrer Funktion verstärkt ins Visier.

Laut Geschäftsordnung müssen Mitglieder des Gremiums Geschäftsbeziehungen mit dem ORF offenlegen und genehmigen lassen. Dennoch zeigen sich bei einigen der 35 Stiftungsräte enge Verbindungen zur Medienbranche und teils auch zu direkten Konkurrenten des ORF, berichtet die Tageszeitung.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten zuletzt Berichte über PR-Tätigkeiten von Vorsitzendem Heinz Lederer und seinem Stellvertreter Gregor Schütze. In der Folge werden laut “Krone” auch andere Nebenjobs innerhalb des Gremiums genauer unter die Lupe genommen.

Auffällig ist dabei: Die Tätigkeit im Stiftungsrat wird vergleichsweise gering entlohnt – rund 50 Euro monatlich sowie Sitzungsgelder von etwa 150 Euro. Umso mehr rücken mögliche wirtschaftliche Verflechtungen in den Fokus.

So beraten etwa Gregor Schütze und Thomas Prantner den ORF-Konkurrenten Sky. Der Tiroler Stiftungsrat Stefan Kröll ist an einem Medienunternehmen beteiligt, an dem auch die Moser Holding beteiligt ist. Neos-Vertreter Markus Boesch arbeitet als Medienanwalt unter anderem für ProSiebenSat1. Christian Kolonovits wiederum ist nicht nur Stiftungsrat, sondern auch Dirigent des ORF-Orchesters.

Trotz wiederkehrender Kritik am Gremium hält die Politik am Stiftungsrat fest. Eine Abschaffung steht laut Medienministerium derzeit nicht zur Diskussion. Erst im März 2025 wurde die Struktur reformiert und die Zahl der von der Regierung entsandten Mitglieder reduziert. Die Koalition sprach damals von einer “Entpolitisierung”.

Die Politik hält sich in der Aufarbeitung der Causa Weißmann jedenfalls raus, man wolle sich nicht einmischen, heißt es im Bericht der Tageszeitung weiter.

Scharfe Kritik kommt indes aus den eigenen Reihen. FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler fordert eine “rasche und vollständige Aufklärung” und betont: “Wir sind noch immer nicht im Besitz aller Informationen”.

Auch nach einer mehrstündigen Sitzung Mitte März seien viele Fragen offen geblieben. Westenthaler spricht von einer “Closed-Shop-Mentalität” und kritisiert, dass wichtige Unterlagen fehlen würden. Eine von ihm geforderte Sondersitzung sei zudem von der Ampelpartei blockiert worden.

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