Achtfacher Mordversuch: „Überall waren Flammen. Ich dachte, ich muss sterben“

Achtfacher Mordversuch: „Überall waren Flammen. Ich dachte, ich muss sterben“

Achtfacher Mordversuch: „Überall waren Flammen. Ich dachte, ich muss sterben“

Eine Schach-Runde endete mit einem Brandanschlag und einer Anklage wegen achtfachen Mordversuchs.

Am 28. September 2025 saßen acht Männer im Aufenthaltsraum einer Betriebs- und Lagerhalle am Stadtrand von Klagenfurt. Sie trafen sich hier –schon in der Vergangenheit – regelmäßig zum Schach- oder Pokerspielen. Gegen 18 Uhr an diesem Sonntag stieß noch ein 54-Jähriger zu der Runde dazu. Ihn und die anderen verbindet die gemeinsame Herkunft aus dem Kosovo. Der Mann war leicht angetrunken und wollte mitspielen. Was aber nicht erwünscht war, weil er in alkoholisiertem Zustand schnell ungut werden kann, wie es heißt.

Nachdem er ausgeschlossen wurde, dürfte der 54-Jährige aber erst recht wütend geworden sein: Laut Anklageschrift warf er den anderen vor, dass sie ihm Geld schulden. Dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hat: Der 54-Jährige fuhr zur nächsten Tankstelle und füllte 13 Liter Benzin in einen Kanister, zusätzlich kaufte er ein Feuerzeug, wie in der Anklageschrift festgehalten ist.

Wenig später kehrte er in den Aufenthaltsraum zurück. „Ich werde es euch zeigen“, soll er geschrien haben. „Er schüttete einen Teil des Benzins halbkreisförmig auf den Boden und stellte den Kanister mit dem restlichen Inhalt in die Benzinlache“, beschreibt die Staatsanwaltschaft. Dann soll der Mann ein Papier angezündet haben. Einer der Anwesenden erkannte die gefährliche Lage, schnappte sich den Kanister und rannte damit ins Freie. Doch ein Feuer ließ sich nicht mehr verhindern: Der 54-Jährige ließ das brennende Stück Papier fallen, steht in der Anklageschrift. Das bereits ausgeschüttete Benzin entzündete sich. „Das Feuer breitete sich durch das Benzin rasch aus. Ein typischer Flammenteppich entstand.“ Türe und Fluchtweg wurden von der brennenden Benzinlache versperrt, heißt es. „Die Männer gerieten in Panik.“ Einer sagt später bei seiner Einvernahme: „Ich hatte Angst um mein Leben.“ Die Flammen hätten vom Boden bis zur Decke gereicht. „Ich habe in Todesangst nur mehr gedacht, ich muss aus dem Raum.“ Es seien überall Flammen gewesen. „Ich sah keinen anderen Ausweg und bin durch die Flammen gelaufen.“ Seine Jacke habe gebrannt. Als er im Freien war dachte er: „Ich muss sterben.“

Einige Opfer konnten durch ein Fenster flüchten, am Ende schafften es irgendwie alle Beteiligten ins Freie. Bei zwei Männern waren die Verbrennungen und die Verletzungen so schwer, dass laut Staatsanwaltschaft „akute Lebensgefahr bestand“. Einem Opfer soll der 54-Jährige vor der Halle noch Schläge und Tritte verpasst haben.

Die Anklagebehörde wirft dem 54-Jährigen nun achtfachen, versuchten Mord sowie Brandstiftung und Körperverletzung vor. Sein Verteidiger Philipp Tschernitz relativiert die Anschuldigungen: „Mein Mandant wollte niemanden töten und bereut das, was er getan hat, zutiefst.“ Der Angeklagte sei nicht vorbestraft und nie als Gewalttäter in Erscheinung getreten.

Das Motiv gibt völlige Rätsel auf: Laut psychiatrischem Gutachter war der verheiratete Familienvater zurechnungsfähig. Keiner der betroffenen Männer hat Schulden bei ihm: Das sagte er nach der Tat selbst aus. Den Brandanschlag versuchte er in seinen bisherigen Einvernahmen zu bagatellisieren. Er behauptete unter anderem, er habe lediglich eine „Gaude“ machen und „seine Freunde“ mit dem Benzin erschrecken wollen. Sinngemäß sagt er: Weil die Männer Panik bekamen, sei ihm der Kanister fast aus der Hand gefallen und so sei ein Teil des Benzins verschüttet worden. Wie es zur Entzündung gekommen sei, wisse er nicht.

Der Prozess startet am 21. Mai. Für den 54-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.

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