Handys der Barbesitzer Moretti erst nach acht Tagen beschlagnahmt

Ermittlungsakten zeigen: Die Untersuchung der Walliser Staatsanwaltschaft im Fall der Brandkatastrophe von Crans-Montana weist diverse Mängel auf.

Die Ermittlungsakten der Walliser Staatsanwaltschaft zur Brandkatastrophe in Crans-Montana decken einige Mängel auf. (Archivbild) – keystone

Bereits seit Beginn der Ermittlungen im Brandfall von Crans-Montana wird die Arbeit der Walliser Staatsanwaltschaft kritisiert. Ermittlungsakten zeigen nun: Die Art und Weise der Untersuchung ist noch fragwürdiger als bisher vermutet.

Die Katastrophe in Crans-Montana forderte 40 Todesopfer und über hundert Verletzte, viele tragen schwere Verbrennungen davon.

Seit Beginn der Ermittlungen gibt es Vorwürfe gegenüber der Staatsanwaltschaft, sie würde ihre Arbeit zum Brand in der Bar «Le Constellation» ungenügend führen.

Die Barbetreiber von «Le Constellation» in Crans-Montana im Wallis wollen sich nach eigenen Angaben nicht aus der Verantwortung ziehen. (Archivbild) – KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

In hunderten Seiten Ermittlungsakten, die der «NZZ am Sonntag» vorliegen, kommen jetzt neue Details zu den Vorgehensweisen der Staatsanwaltschaft ans Licht.

Bisher vermutete Mängel nur Spitze des Eisbergs

So gelten Mobiltelefone in Strafprozessen als wichtige Beweismittel. Chatverläufe, Fotos und andere Daten geben Aufschluss über das Verhalten der Angeklagten. So ist es üblich, dass Handys von Verdächtigten rasch konfisziert werden.

Die Morettis bei ihrer Ankunft bei der Vernehmung in Sitten. (Archivbild) – keystone

Im Fall des Betreiberpaars der Katastrophen-Bar, Jacques und Jessica Moretti, wurde dies aber nicht getan, wie die Zeitung schreibt. Erst nachdem Opferanwälte darauf bestehen, dass die Geräte beschlagnahmt werden, geschieht dies am 9. Januar.

Bis dahin war das Betreiber-Ehepaar auf freiem Fuss. Es hatte also insgesamt acht Tage Zeit, strafrechtlich relevante Inhalte auf den Handys zu löschen.

Akten verspätet eingereicht

Drei Tage nach der Brandkatastrophe hat die Gemeinde Crans-Montana ihre Akten zum Brandlokal «Le Constellation» bei der Polizei eingereicht. Öffentlich wird kommuniziert, die Akten seien vollständig an die Behörden übergeben worden.

Dennoch meldet sich der Gemeindepräsident Nicolas Féraud noch zwei Tage später bei der Polizei. Er müsse dringend ein Dossier zur Bar übergeben, habe er zu einem Beamten gesagt. Man habe noch weitere Akten gefunden, die bei einem ehemaligen Beauftragten für Brandschutz aufbewahrt wurden, so die NZZ.

Auch das Walliser Departement für Sicherheit habe strafrechtlich relevante Dokumente verspätet eingereicht – ohne Konsequenzen.

Das Departement gab den Einsatzbericht zum Brand sieben Tage lang trotz offizieller Aufforderung nicht heraus. Die Reaktion der Staatsanwaltschaft: Eine höfliche Erinnerung, man solle doch die Dokumente noch einreichen.

Wie die Akten zeigen, bröckelt durch die Versäumnisse auch das Vertrauen der Opfer in die Untersuchung.

Related Posts

Unfall in Spreitenbach AG – Sportwagen prallt gegen Pfeiler

Ein Junglenker verursachte in Spreitenbach einen Unfall, als er das Gas- mit dem Bremspedal verwechselte und gegen eine Betonwand prallte. Ein Junglenker verlor am 13. Mai 2026…

Unfall bei Pritschitz – Junglenker kracht gegen Bushaltestelle

Ein 19-jähriger Lenker verlor die Kontrolle über sein Auto auf der B 83 und prallte gegen eine Bushaltestelle bei Pritschitz. (Bildquelle: FF Krumpendorf) Am Mittwoch, 13. Mai 2025,…

A9 Mautern – Schwerer Unfall bei Baustelle

Ein schwerer Unfall auf der A9 bei Mautern führte zu erheblichen Schäden und Verkehrsbehinderungen im Baustellenbereich. (Bildquelle: FF Mautern in Steiermark) Am 13. Mai 2026 kam es im…

Schwerer Auffahrunfall mit Reisebus und Wohnmobil auf A1

Ein plötzlicher Bremsvorgang auf der A1 führte zu einem Unfall mit mehreren Fahrzeugen, darunter ein schwer beschädigtes Wohnmobil. (Bildquelle: FF Nettingsdorf) Am Mittwoch, 13. Mai 2026, kam es…

6 Jahre Volksschule? Gemeindebund-Präsident winkt ab

Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl sieht massive Probleme bei einem Ausbau von Volksschulen – es fehle an Platz und Geld, so seine Begründung. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) stößt mit seinem Plan…

Nach Krankheit verstorben – Trauer um Alfred Tatar (62)

Österreich trauert um Alfred Tatar. Der frühere Fußballer, Trainer und Kult-TV-Experte verstarb im Alter von 62 Jahren an der Nervenkrankheit ALS. Österreichs Fußball trauert um Alfred Tatar!…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *