
Künftig müssen auch Geringverdiener AMS-Beiträge zahlen. Das bringt Netto-Lohnkürzungen für 1,4 Millionen Beschäftigte, davon fast eine Million Frauen
Die Regierung plant in den kommenden beiden Jahren bei den Lohnnebenkosten eine Entlastung in Höhe von zwei Milliarden Euro. Dafür müssen aber einige Gruppen bluten, darunter auch Niedrigverdiener.
AMS-Beitrag wird fällig
Denn sie müssen künftig – gestaffelt nach Einkommen – auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen bzw. höhere Beiträge leisten. So sieht es das schwarz-rot-pinke Budget vor.
2,95 Prozent weniger vom Bruttoeinkommen
Konkret waren bisher Personen mit bis zu 2.225 Euro brutto pro Monat komplett von den Beiträgen befreit. Bis zu 2.427 Euro zahlen sie ein Prozent ihrer Lohnsumme, bis 2.630 Euro sind es zwei Prozent. Über 2.630 Euro werden dann die vollen 2,95 Prozent fällig. Und genau dieser Prozentsatz gilt künftig für alle Arbeitnehmer.
1,4 Millionen Menschen von Budget-Maßnahme betroffen
Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut hat sich jetzt genau angesehen, wer von dieser Belastung betroffen ist. Das Ergebnis: Insgesamt trifft die Maßnahme rund 1,4 Millionen Menschen im Land. Davon sind 956.000 Frauen und 421.000 Männer. Das heißt: Sieben von zehn Betroffenen sind weiblich.
580.000 teilzeitbeschäftigte Frauen bekommen weniger netto
Besonders alarmierend: Bei den Frauen geht es um 580.000 Teilzeitbeschäftigte. Das heißt: Rund vier von zehn insgesamt Betroffenen sind teilzeit-erwerbstätige Frauen. “Also genau jene Gruppe, die finanziell ohnehin besonders wenig Spielraum hat”, wie es das Momentum Institut formuliert.
Ökonomin: “Maßnahme schwächt Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten”
“Diese Reform belastet ausgerechnet jene, die ohnehin jeden Euro umdrehen müssen. Für viele ist das nichts anderes als eine Kürzung ihres Lohns”, sagt Barbara Schuster, die stellvertretende Chefökonomin am Momentum Institut. Die Maßnahme schwäche damit die Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten.
Mehrere hundert Euro Verlust
Der jährliche Verlust dieser Gruppen ist dabei durchaus spürbar. So bekommen Arbeitnehmer mit einem Gehalt von 1.500 Euro im Jahr 614 Euro weniger. Bei 2.000 Euro sind es bereits 677 Euro. Frauen verdienen im Median 2.170 Euro. Sie werden künftig mit 735 Euro weniger auskommen müssen.
Minus bei höheren Einkommen geringer
Dann geht der Netto-Lohnverlust etwa zurück. So beträgt das Minus bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2.224 Euro “nur” 700 Euro, bei 2.426 Euro sind es 486 Euro und bei 2.629 Euro 257 Euro im Jahr weniger.
“Völlig falsches Signal”
“Wer Vollzeit arbeitet oder aufgrund von unbezahlter Arbeit, Krankheit oder sonstigen Gründen nur in Teilzeit tätig sein kann, sollte von dem Einkommen auch leben können. Wenn staatliche Maßnahmen das Nettoeinkommen reduzieren, während gleichzeitig Arbeitgeber weniger Abgaben leisten müssen und riesengroße Vermögen und Erbschaften unangetastet bleiben, das ist das ein völlig falsches Signal und noch dazu leistungsfeindlich”, so Schuster.