Das erschütternde Geständnis des Swift-Attentäters

Schwer bewacht, wird Beran A. am ersten Prozesstag im Landesgericht Wiener Neustadt (NÖ) vorgeführt.

Schwer bewacht, wird Beran A. am ersten Prozesstag im Landesgericht Wiener Neustadt (NÖ) vorgeführt.© AFP/MICHAEL TRAN, Krone, Krone KREATIV

Beran A., der im Jahr 2024 beim Konzert des US-Superstars Taylor Swift ein Blutbad anrichten wollte, versuchte vor Gericht, die dokumentierten Gewaltpläne wegzulächeln. Der 21-Jährige hat am ersten Prozesstag ein Teilgeständnis abgelegt – eine Beteiligung an einem Mordversuch in Mekka bestritt er aber. 

Die Geschichte des 21-jährigen Mannes, der am Dienstag das Landesgericht Wiener Neustadt betritt, passt schablonenhaft auf andere IS-Täter: zwei Schulen abgebrochen, in der Klasse gemobbt, von den Mitschülerinnen ignoriert, brutalen Videospielen, Gewaltvideos und Hasspredigern verfallen.

Beran A., der im Sommer 2024 auf einem Swift-Konzert in Wien möglichst viele „Ungläubige“ töten wollte, gibt am ersten Verhandlungstag erschütternde Einblicke in seine Radikalisierung.

  • Juli 2024: Beran A. versuchte, Granaten, ein Maschinengewehr und mehr zu kaufen – erfolglos. Er fing an, eine Bombe zu bauen.
  • 7. August 2024: Der Niederösterreicher wurde in Ternitz verhaftet.
  • 9. August 2024: Der Anschlag war auf das zweite Konzert von US-Sängerin Taylor Swift in Wien geplant. Alle drei Termine wurden abgesagt.

Ein Weg, der auch durch zig verstörende Chats mit seinem Schulfreund Hasan E., der im Frühjahr 2024 in Mekka ein Attentat verübte und in Saudi-Arabien in Haft sitzt, belegt ist.

Opferrolle und Geltungsdrang

Durch Hasan habe er es geschafft, vom Außenseiter zum beliebtesten Schüler zu werden, berichtet der Ternitzer mit nordmazedonischen Wurzeln. Hasan sei es auch gewesen, der ihn zum IS gebracht habe.

Eines der „Vorbilder“ von Beran A. war auch der Wien-Attentäter Kujtim F., unter dessen Namen er einen Instagram-Account führte: „Ich fand ihn krass. Ich fand es krass, dass dieser Junge aus Wien globale Aufmerksamkeit bekommen hat. Dass er berühmt wurde“, offenbart er das mutmaßliche Motiv für seinen kruden Anschlagsplan, der zur Absage der Swift-Konzerte in Wien geführt hat: purer Geltungsdrang. Der auch im Gerichtssaal omnipräsent ist.

„Man hat das Gefühl, es ist wie eine Bühne für Sie hier“, bringt es die beisitzende Richterin auf den Punkt. „Sie lächeln, Sie wirken entspannt, interagieren mit den Menschen im Saal.“ Und noch etwas, das sich wohl alle Prozessbeobachter denken, spricht sie aus: „Ihren Schilderungen nach sind immer die anderen schuld.“ Obwohl Hasan E. gar nicht in das vereitelte Swift-Attentat eingebunden war. „Das haben schon Sie allein geplant, nicht die anderen!“

Die Nachrichten, die der Angeklagte schon weit vor dem Anschlagsplan mit Hasan E. austauschte, sind verstörend. „Ich hasse sie alle: Chinesen, Amerikaner, Serben“, schrieb Beran A. etwa. Auch Frauenhass und Tötungsfantasien sind in den Chats Dauerthema.

„Das macht mich geil“, kommentierte er in Bezug auf Ertrinkungs- und Selbstmordvideos. Die Zeilen wurden immer schlimmer und radikaler. Zudem führte Beran A. eine Liste von rund 20 Leuten, die er „schlachten“ wolle: „Für mich bedeutete das Wort ,schlachten‘ sinngemäß ,schlagen‘. Das waren Fantasien, wo wir darüber gelacht haben.“

Beran A. werden elf terroristische Straftaten vorgeworfen: das Swift-Attentat; unter anderem durch Vorbereitung eines Verbrechens durch Sprengmittel. Strafsatzbestimmend ist der Beitrag zum versuchten Mord im Namen des IS in Mekka. Es drohen 20 Jahre Haft.

Beran A. in einem Video: „Ich muss es einfach tun“

Doch es waren nicht „nur“ Fantasien, denn zum geplanten Attentat auf das Konzert des US-Superstars im Wiener Ernst-Happel-Stadion am 9. August 2024 ist der Niederösterreicher voll geständig – auch zur Bombe, die er dort zünden wollte. Zum Glück konnte der hinterhältige Angriff vereitelt werden. „Da gibt es nichts schönzureden“, sagt seine Verteidigerin Anna Mair, „jedoch bestreitet mein Mandant den Beitrag zum versuchten Mord in Mekka.“ Eine Verurteilung in diesem Faktum würde die Strafdrohung deutlich erhöhen, von bis zu 10 auf bis zu 20 Jahre Haft.

„Ich muss es tun, ich muss es einfach tun. Ich habe mich schon lange für diese Sache entschieden“, sagt Beran A. in einem Video an seine Familie, das vorgespielt wird. Bekennerfotos, die ihn mit Sturmhaube und Messer zeigen, kommentiert er so: „Ich fand die Bilder krass und mich darauf schön. Ich sehe darauf stark aus.“

„Krass“ fand er auch die Vorstellung, wie Medien in „Breaking News“ über seinen Anschlag berichten würden. Das Urteil soll am 28. Mai fallen.

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