Landwirt rettete Rinder aus brennendem Stall: „In so einem Moment denkt man nicht nach“
Es war zwei Uhr morgens, als eine Nachbarin die Unruhe am Hof bemerkte. Die Frau schaute aus dem Fenster, und da brannte der Stall, den Bio-Landwirt Christoph Reiter von ihrer Familie pachtet, bereits lichterloh. „Sie hat die Feuerwehr angerufen, dann mich“, erzählt der 33-Jährige. „Ich wohne in der Stadt Fürstenfeld. Wir sind sofort herausgerast. Die Autos haben wir vorne stehen gelassen, weil hier war es schon taghell. Die Flammen waren sicher 30 Meter hoch“, erinnert er sich. Dann ging alles ganz schnell. Er eilte in den brennenden Stall, um seine Rinder zu retten.
Schreiend trieb er die Tiere ins Freie. Zwei Boxen konnte der Landwirt öffnen, dann musste er sich selbst retten. „Ich habe mir die Hand verbrannt. Nach hinten bin ich nicht mehr gekommen. Es war heiß wie der Teufel“, so Reiter – mehr als 1000 Grad habe man ihm später mitgeteilt. Die Plastikschnüre der Strohballen schmolzen und tropften von der Decke. Die Stahlträger des Laufkrans vom Heulader verbogen sich.
„Die Feuerwehrler haben zu mir gesagt: Du bist ja wahnsinnig, wenn alles brennt, gehst du noch selbst hinein. Aber in so einem Moment denkt man nicht nach. Das kapiert man in der Schnelligkeit gar nicht“, sagt der Landwirt. Erst jetzt – zwei Tage später – realisiere er, was eigentlich passiert ist.
Der Stall, in dem seine 33 Rinder untergebracht waren, fing aufgrund eines elektrischen Defekts des Heuladers Feuer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. 180 Feuerwehrleute aus Fürstenfeld und der Umgebung standen im Einsatz, um den Brand zu löschen. „Die hintersten Boxen waren am meisten betroffen. Das ist alles weg. Der Vordergang war überdacht. Das ist stehengeblieben“, beschreibt Reiter den Trümmerhaufen, der vom Stall übrig ist.
Außer Reiter wurden bei dem Feuer keine Personen verletzt – nur die Rinder trugen Wunden davon, hauptsächlich vom geschmolzenen Plastik, das ihnen auf den Rücken tropfte. „Wir haben sie behandelt. Am Samstag mit Spritzen, dann mit Zink-Spray“, erzählt Reiter. Er und der Tierarzt sind zuversichtlich, dass es die Tiere schaffen werden.
Nur eine Kuh konnte nicht mehr gerettet werden. „Es ging schnell. Die Feuerwehr hat gemeint, sie hat noch einmal versucht aufzustehen, dann war sie weg“, erzählt er. „Da, wo nichts liegt, ist sie gestorben“, betrachtet Reiter den Fleck inmitten des Chaos und atmet tief durch. „Zum Glück konnten wir die Tiere retten, sonst würde ich heute nicht so dastehen. Da würde ich nicht aus dem Bett heraus kommen.“
In der Nacht flüchteten die Tiere zu einem Waldstück, das sie kannten und konnten schnell eingefangen werden. Nun sind sie auf der Weide untergebracht, unweit der Haufen an Schutt, verkohlten Latten und verbogenen Stahlträgern. „Im April hätten wir sie sowieso herausgelassen. Jetzt halt ein bisschen früher“, zeigt sich Reiter gefasst. Für den Sommer hofft er, einen provisorischen Unterstand bauen zu können, um die Tiere vor der Hitze zu schützen.
Weitermachen als Landwirt will Reiter auf jeden Fall, wie genau, ist aber noch ungewiss. „Morgen kommt die Versicherung. Ich hoffe, dass wir dann aufräumen können, damit man das ganze Klumpert nicht mehr anschauen muss. Weil da kommt mir gleich alles wieder hoch“, so Reiter.
Man habe Glück im Unglück gehabt. Das angrenzende Wohnhaus blieb unversehrt, der Großteil der Tiere konnte gerettet werden und niemand ist gestorben, resümiert der Landwirt. „Das hätte viel schlechter ausgehen können. Den Rest werden wir wieder hinbringen. Da bin ich zuversichtlich.“