Jetzt bereits Rede von Tempolimits und autofreien Tagen

Die Kosten an der Zapfsäule explodieren, politische Maßnahmen sind in Arbeit – nun werden Rufe nach noch viel drastischeren Maßnahmen laut.

An den Zapfsäulen Österreichs spüren derzeit Autofahrerinnen und Autofahrer eine Entwicklung, die vielen am Konto und in der Geldbörse wehtut. Benzin und Diesel sind in den vergangenen Wochen deutlich teurer geworden – so sehr, dass der Staat und die Bundesregierung handeln müssen. Entscheidend für die Preisexplosion ist der Krieg im Nahen Osten. Weil seit Monaten militärische Angriffe und Gegenangriffe den Transit von Rohöl durch den wichtigen Schifffahrtsweg Straße von Hormus unter Druck setzen, sind Rohöl‑Preise stark gestiegen. Diese Entwicklung schlägt sich direkt auf die Kraftstoffkosten nieder.

In Österreich ist das spürbar: Trotz einer traditionell dichten Infrastruktur von über 2.700 Tankstellen im Land hat der Preisanstieg an der Zapfsäule die Stimmung bei den Autofahrern gedämpft. Diesel und Benzin haben in Rekordzeit die 2‑Euro‑Marke erreicht oder gar durchbrochen. Diese Belastung trifft vor allem Pendlerinnen und Pendler, aber auch Handwerker, Lieferdienste und Betriebe, deren Fahrzeuge täglich im Einsatz sind. Die Bundesregierung in Wien reagiert mit einem Maßnahmenpaket, das ab 1. April in Kraft treten soll – sie braucht zur Umsetzung aber noch die Stimmen der Grünen oder der Blauen.

“Das können wir uns nicht lange leisten”

Geplant: Eine Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent pro Liter sowie ein zeitlich begrenzter Deckel für Margen von Tankstellen sollen nach Angaben aus dem Kanzleramt Preisentlastungen von insgesamt rund 10 Cent pro Liter bringen. Diese Schritte sind bis Ende Dezember 2026 befristet und sollen Parlament und Öffentlichkeit zumindest kurzfristig Luft verschaffen. Fachleute halten es jedoch für denkbar, dass Österreich wieder zu Maßnahmen greifen muss, die viele nur aus Geschichtsbüchern kennen. Dazu zählen etwa autofreie Tage oder deutlich reduzierte Tempolimits auf Autobahnen und Landstraßen.

“Solange wir innerhalb unserer Verhaltensweisen und unserer Strukturen hängen bleiben, müssen wir eigentlich zuschauen, wie das Budget verwendet wird für Reparaturmaßnahmen. Das können wir uns nicht lange leisten”, so die Ökonomin Sigrid Stagl gegenüber Ö1. Es gebe aber Maßnahmen, die sich kurzfristig setzen lassen könnten, gleichzeitig müsse die Krise als Anlass genommen werden, die Strukturen langfristig zu ändern. “Strukturen wie Tempolimits”, so Stagl, aber auch “der schnellere und ambitioniertere Ausbau der Erneuerbaren”. Vorteil von Tempolimits und autofreien Tagen: Sie würden der Regierung nichts kosten.

“Man darf sich natürlich nicht nur darauf verlassen”

Erfahrungswerte mit Luft-Hundertern und Fahrlimits in Vorarlberg würden zeigen, dass kaum Zeit der Verkehrsteilnehmer verloren gehe, gleichzeitig aber der Spritverbrauch sinke und ebenso die Umweltbelastung. “Man darf sich natürlich nicht nur darauf verlassen, weil die Möglichkeiten beschränkt sind”, so Stagl. Man lasse positive Effekte liegen, weil man die Erneuerbaren nicht vorantreiben würde, dabei würden sie dazu beitragen, dass es weniger Energiebedarf geben würde, so die Ökonomin. Statt aus der Ferne der Krise zuzusehen, sollte man sie dazu nutzen, resilienter zu werden, so Stagl.

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