Die 28-jährige Sophie Thewanger war mit ihrem Bruder in einem Eissalon, als sie plötzlich Schreie hörte.© fotokerschi.at
Nach der tödlichen Messerattacke in der Linzer Innenstadt berichten Ersthelfer und Zeugen, wie sie die dramatischen Minuten erlebt haben.
Nach der brutalen Messerattacke am Samstag in der Linzer Bismarckstraße kommen immer mehr Details ans Licht. Die 28-jährige Sophie Thewanger saß am frühen Abend mit ihrem Bruder und dessen Freundin in einem Eissalon an der Ecke Landstraße und Bismarckstraße. Plötzlich hörte sie aufgeregte Schreie: “Jetzt ham’s einen niedergestochen!” Ohne zu zögern half die Frau.
“Ich bin sofort aufgesprungen, um dem Verletzten im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen”, erzählt sie. Thewanger ist seit vielen Jahren bei der Feuerwehr Schönering (Wilhering, Linz-Land) aktiv und hat regelmäßig Erste-Hilfe-Schulungen absolviert.
Als sie beim Opfer ankam, bot sich ihr ein erschütterndes Bild. “Als ich dort war, war alles voller Blut und er hat noch geatmet. Er befand sich bereits in stabiler Seitenlage”, erinnert sie sich. Gemeinsam mit anderen Helfern versuchte sie, den Schwerverletzten am Leben zu halten. “Dann haben wir laufend reanimiert, bis er ins KUK gebracht wurde.”
Unterstützung bekam die 28-Jährige von einem Arzt, der gerade auf dem Weg zu seinem Nachtdienst war und ebenfalls sofort eingriff. Rund um die Szene versammelten sich zahlreiche Passanten.
Die Feuerwehrfrau spricht von einer “klassischen Chaosphase”. Besonders irritiert habe sie, dass manche Schaulustige die Situation mit ihren Handys filmten. “So was brauchst du nicht, wenn jemand in so einer Situation noch mit dem Handy herumrennt”, sagt sie.
Auch Zana Mussa, Betreiber des Linzer Barbershops “De Luxe”, wurde Zeuge der dramatischen Ereignisse. Die späteren Opfer waren kurz zuvor noch Kunden in seinem Geschäft gewesen. “Die beiden Opfer waren Stammkunden, die sich vor dem Attentat noch Haare und Bart bei mir schneiden haben lassen.”
Was danach geschah, traf ihn völlig unvorbereitet. Wie berichtet hatte es zuvor eine Auseinandersetzung zwischen einem Autofahrer und einem aggressiven Fußgänger gegeben. Zwei der späteren Opfer mischten sich ein, um den älteren Mann zu schützen.
Rund eine halbe Stunde später eskalierte die Situation. Der Mann kehrte zurück und griff mit einem Messer an. Einer der Afghanen wurde schwer verletzt. “Es war alles voll Blut. Mein Mitarbeiter hat sofort die Rettung alarmiert. Der Verletzte ist im Gesicht ganz weiß geworden, ich hab‘ ein Tuch geholt und es ihm auf die Wunde gedrückt”, berichtet der Barber.
Kurz darauf lag auch der andere schwer verletzt am Boden. Sophie Thewanger war inzwischen bereits bei ihm und begann sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen. “Er hat noch geröchelt und versucht, Luft zu bekommen”, schildert sie die dramatischen Sekunden. “Das zeigt, wie wichtig es ist, dass man Erste-Hilfe-Anwendungen regelmäßig übt.”
Gemeinsam mit zwei weiteren Ersthelfern – darunter der Arzt – kämpfte sie um das Leben des Mannes, bis die Rettung eintraf. “Gar nichts, ich hab‘ funktioniert wie eine Maschine, es ging alles automatisch”, sagt sie rückblickend über die Reanimation.
Der Schwerverletzte wurde ins Kepler Uniklinikum gebracht, starb dort jedoch kurze Zeit später. Ein weiterer Mann überlebte die Attacke nach einer Notoperation.
Der mutmaßliche Täter, ein 34-jähriger Kroate, wurde kurz nach der Tat von der Polizei festgenommen. In einer ersten Aussage gegenüber der Polizei soll sich der Mann geständig gezeigt und von einer psychischen Erkrankung gesprochen haben.